Über Fatigue

Fatigue-Syndrom im Rahmen einer Kollagenose

Viele Betroffene werden mir jetzt in den ersten Zeilen sofort zustimmen und sich selbst wiedererkennen.
Gesunde hingegen werden die Augen aufreißen und zweifeln, ob es das wirklich geben kann, das Fatigue-Syndrom oder auch Erschöpfungssyndrom genannt.

Beim Fatigue-Syndrom beherrscht den Körper die Müdigkeit, Erschöpfung und totale Antriebslosigkeit.
Es beeinträchtigt das komplette Leben und vor allem ist es auch durch ausreichend Schlaf nicht zu beseitigen. Man kann 12 Stunden durchschlafen, tief und fest und wacht auf und ist hundemüde wie nach drei durchgemachten Nächten!

Der Name „Fatigue“ stammt aus dem französischen Sprachgebrauch und heißt so viel wie Müdigkeit oder Erschöpfung.

Wie häufig Fatigue vorkommt, lässt sich gar nicht genau beziffern. Es gibt diverse Untersuchungen, die durchgeführt werden können, aber die beruhen meist nur auf den subjektiven Angaben der Patienten.
Was Ärzten jedoch auffällt, dass Betroffene unter der Fatigue wahnsinnig leiden, teilweise nicht fähig sind, alleine wegen der Fatigue, ihren Haushalt zu führen oder zu arbeiten. Betroffene berichten, dass sie mitten im Satz einschlafen oder nicht fähig sind, länger als 30 Minuten Auto zu fahren, weil sie dann bereits eine Pause benötigen, um zu schlafen.

Die Fatigue im Rahmen einer Kollagenose wie Lupus oder im Rahmen von MS wird häufig verwechselt mit einer eigenständigen neurologischen Erkrankung, dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome, CFS). Sowohl die Ursachen als auch die körperlichen Anzeichen unterscheiden sich zum Teil aber deutlich.

Es ist ein ständiger Kampf gegen die Müdigkeit, gegen die schweren Augen und die bleierne Schwere von Armen und Beinen. Das Gehirn sendet den unbesiegbaren Wunsch nach Schlaf in einer Tour und man steht die meiste Zeit quasi neben sich. Die Erschöpfung körperlicher und geistiger Art macht es Betroffenen schwer, ihre Leistungen zu erbringen. Oft sind sie so beeinträchtigt, dass ganz alltägliche Verrichtungen wie Zähne putzen, Telefonieren, Kochen, Putzen schier unmöglich werden.
Noch schlimmer wird es, wenn Aufmerksamkeit und Gedächtnis gefordert werden. Worte fallen einem nicht mehr ein (Wortfindungsstörung) und auch das Gedächtnis insgesamt weist plötzlich Lücken auf, die für viele Patienten noch mehr belastend sind.

Durch diesen Kreislauf von Erschöpfung, Schlaf, Erschöpfung, Leistungsverlust und Enttäuschung ziehen sich die meisten Betroffenen zurück und schränken ihre Aktivitäten immer mehr ein. Einmal aus Kraftmangel und einmal, weil sie sich unverstanden oder missverstanden fühlen.
Man sagt Termine mit Freunden immer öfter ab und viele der Freunde verstehen das falsch und ziehen sich ebenfalls zurück.
Die wenigsten können offen damit umgehen und ihren Freunden erklären, was los ist. Andererseits ist es schwer, bei Freunden und Bekannten auf Verständnis zu treffen. Den meisten ist es unerklärlich und mindestens genauso unverständlich, wie ein Mensch so müde sein kann – immer!

Leider erfährt man in vielen Gesprächen mit Betroffenen, dass nicht jeder Arzt Interesse für das Fatigue-Syndrom zeigt. Dabei gibt es mittlerweile durchaus Möglichkeiten, es zu behandeln.

Grundsätzlich gibt es die Fatigue in drei verschiedenen Arten. Sie unterscheiden sich wie folgt:

  • Fatigue als Begleiterkrankung z.B. bei systemischem Lupus erythematodes oder Multipler Sklerose, bei Rheuma oder auch Aids (und vielen anderen Erkrankungen)
  • als Folge von z.B. Schlaf- oder Durchschlafstörungen, Blutarmut, Mangelernährung oder auch bei Chemotherapie
  • Fatigue als eigene Erkrankung – hier ist dann das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) gemeint

Manchmal ist der Auslöser der Fatigue bekannt. Bei Anämie z.B., wenn die Anzahl der roten Blutkörperchen erniedrigt ist. Die Folge ist, zu wenig Blutsauerstoff, was dann wiederum zu Müdigkeit und Leistungsabfall führen kann.

Als Begleiterscheinung von chronischen Erkrankungen ist die Entstehung von Fatigue meist unklar. Man vermutet, dass es gar keinen „einzelnen“ Auslöser gibt, der für die anhaltende Erschöpfung verantwortlich ist, sondern dass viele verschiedene Faktoren dazu beitragen, wie z.B. Veränderungen im ZNS (Zentrales NervenSystem), Folge von Autoimmunerkrankungen, entzündliche Prozesse im Körper oder auch Veränderungen im Hormonhaushalt.

Insgesamt kann gesagt werden, dass man dem Betroffenen am ehesten hilft, wenn man ihn ernst nimmt. Wenn man Rücksicht nimmt auf die (Schlaf-)Bedürfnisse und auch darauf, dass er nicht (mehr) so leistungsfähig ist wie früher und auch die ein oder andere Party sausen lässt, weil es einfach nicht geht.

Man ist nicht gerne die „Spaßbremse“, aber jeder kann sich wohl am besten vorstellen, wie es ist, mit Fatigue zu leben, wenn er darüber nachdenkt, mit einer sehr starken Grippe auf eine Party gehen zu müssen!