Die Gerätschaften

Ein Diabetiker hat im Allgemeinen ganz schön viel zu schleppen. Nicht nur mit der Diagnose an sich, nein, auch mit den ganzen Utensilien, die so nötig sind oder nötig sein könnten. Quasi die Ausrüstung.

Ich brauche immer etwas länger, wenn ich das Haus verlasse, weil ich alles zusammensuchen muss, je länger ich außer Haus bin, desto mehr Krams brauche ich.

Im Laufe der Jahre habe ich so manches Täschchen gehabt und auch irgendwie so eine Art Sucht danach entwickelt. Die optimale Tasche ist mir aber bisher noch nicht begegnet. Auch die „echten“ Diabetikertäschchen sind zwar meist schnuckelig und irgendwie schon praktisch, aber dann doch zu klein oder zu dick oder zu lang oder zu kurz… vielleicht ist das auch ein Frauenproblem 🙂

Auch an Geräten habe ich schon das ein oder andere ausprobiert. Sind doch die Hersteller auch sehr daran interessiert, dass man ihr Gerät zur Blutzuckerüberwachung nutzt, damit man auch deren Teststreifen nutzt 😉
Für die einen heißt Diabetes Erkrankung, für die anderen Geld verdienen. Das klingt hart, ist aber so.

Mal sehen, ob ich die Geräte noch zusammenbekomme.

Das erste Blutzuckergerät war von Bayer. Das habe ich damals in der ersten Schwangerschaft bekommen und es war grau. Die Stechhilfe war furchtbar, hat riesige Wunden in meine Fingerkuppen gejagt und überhaupt, der Schwangerschaftsdiabetes war ganz furchtbar, so habe ich es zumindest in Erinnerung…

Nach der Diagnose habe ich direkt das Accu Chek Mobile geschickt bekommen. Meine Mutter nutzte das damals und für mich war die Erleichterung schlechthin, dass man keine Teststreifen braucht. Das Mobile wird mit einer „Testkassette“ gefüttert, mit der man dann 50 Tests machen kann.
Man kann sich das so vorstellen wie früher die Farbbänder an einer Schreibmaschine. Nur dass das „Farbband“ sehr fein und schmal ist und den Blutzuckergehalt messen kann.
Praktisch am Mobile ist auch, dass die Stechhilfe (die übrigens sehr gut ist – ich verwende sie heute noch, die FastClix) direkt am Gerät angebracht werden kann.

Eigentlich eine geniale Sache. Aber das Mobile ist groß und schwer. Es geht nicht wirklich in die Hosentasche. Für die Handtasche aber doch optimal. Mit einem Griff hat man alles, was man braucht.
Aber wenn es an die Möglichkeiten der Datensicherung geht, hört es schon wieder auf. Vor und nach dem Essen ist mehr oder weniger alles an speziellen Eingaben, die man machen kann (ich übertreibe bewusst etwas). Kein Bolusrechner, keine speziellen Dinge, die ein Diabetiker u.U. vielleicht gerne eingeben können möchte.
Und obendrein kommt noch, dass nicht jeder Arzt dieses Gerät toll findet, weil die Testkassetten im Vergleich zu herkömmlichen Teststreifen eher teuer ist…

Trotzdem hat mich das Mobile lange begleitet. Bis das FreeStyle InsuLinx auf den Markt kam. Ich habe es relativ früh getestet – natürlich auch gratis erhalten – und für sehr gut befunden. Ein Bolusrechner war „damals“ der absolute Renner. Nicht, weil es mir an Grips fehlt, die Berechnungen der benötigten Insulinmenge zu tätigen, nein, einfach weil es irre bequem ist und direkt auch gespeichert wird. Man gibt die Menge an KH (Kohlenhydraten) ein, bekommt einen Bolus vorgeschlagen und stimmt entweder zu oder eben nicht und dann ist es gespeichert.
Ein extra Tagebuch ist damit überflüssig.
Dazu konnte man noch Eingaben tätigen wie Sport, Anstrengung, Stress… Man kann per Software auch noch extra Ereignisse speichern, die man dann wiederum auswählen kann.
Das ganze auch noch mit damals höllisch modernem Touchscreen! Ich hatte erst das InsuLinx bevor ich ein Touchscreen-Handy hatte!!!
Meine Mutter hat kurz nach mir auf das FreeStyle InsuLinx umgestellt.

Der größte Nachteil am InxuLinx ist die fehlende Beleuchtung. Nachts mal schnell im Dunkeln messen? Unmöglich.

Zwischendurch hatte ich mal ein OneTouch Ultra getestet, schick, aber ohne Bolusrechner, ein Bayer schlupfte zwischendurch auch mal in den Briefkasten (wo man sich überall so einträgt…).

Und dann kam das Accu Chek Aviva Expert!!! Der Knaller!!!

Zwar ohne Touchscreen, aber nachdem ich das ja jetzt auch als Handy hatte, war das als BZ Gerät nicht mehr soooooo wichtig. Mit 3fach unterschiedlich beleuchtbarem Display!
Problem zu dem Zeitpunkt, das gab es für Deutschland nicht!
Was mein damaliger Diabetologe auch probierte, in Deutschland nicht erhältlich. Nur in der Schweiz.
Aus meinen früheren Motorsportzeiten hatte ich noch ein paar gute Freunde in der Schweiz (war das doch in meiner Kindheit meine zweite Heimat…). Einen besonders guten Freund schrieb ich an – ganz modern per Facebook – ob er nicht mal in der Apotheke schauen könnte, was das Ding kostet und ob er das als „Normalo“ kaufen könne etc.
Kurz später war das Teil mit der Post unterwegs zu mir und wollte ein paar weitere Tage später in Aschaffenburg beim Zoll abgeholt werden! Ui! Schock!

Hier erst noch mal ein riesiges DANKESCHÖN an Vege!!! Er hat mir das Gerät nämlich nicht nur geholt, verpackt und verschickt, nein, er hat es mir auch geschenkt!!! Das werde ich niemals vergessen!

Der Zoll war ein aufregendes Unterfangen, gingen die doch von einem gefährlich aussehenden Gerät aus, was vielleicht eine Bombe oder so sein könnte! 😀 Naja, lange Rede, kurzer Sinn, nach rund einer Stunde und viel Geduld und einigen Euros Zollgebühren war das Expert meins!

Es gab mir Sicherheit, es konnte alle möglichen Berechnungssituationen mit einberechnen, hat aktives Insulin angezeigt und war einfach nur suuuuper toll!

Kurz später hatte meine Mutter das Ding auch – bekommen von ihrem Diabetologen!!! Ich war so was von hmpf… 😉

Das Expert habe ich benutzt bis November 2014. Im Oktober kam die gigantische Nachricht durch meinen Diabetologen, dass es bald ein irres Blutzuckermessgerät gibt, bei dem man sich nicht mehr in den Finger stechen muss!
Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, aber er hatte einen Infoflyer davon und auch im Internet konnte man das exakt nachlesen.

Einfach einen Sensor auf den Oberarm und schwupp… Unvorstellbar!

Aber wahr!

Flyer Libre 1-kleinFlyer Libre 2-klein

Dr. L. hat mich irre unterstützt. Am 08. November 2014 startete ich tatsächlich meinen ersten FreeStyle Libre Sensor!
Ich war BEGEISTERT! Die Werte stimmten exakt mit der blutigen Messung überein und schon bald war das heißgeliebte Expert in der Schublade verschwunden!

Wenn ich überhaupt kontrollieren musste, tat ich das natürlich mit den passenden Teststreifen vom Libre. Genial!

Innerhalb von kürzester Zeit war mein Hba1c auf 5,9% !!!

Der Antrag bei der Barmer lief. Und lief. Und lief. Und lief.

Aber dazu ein anderes Mal mehr 😉

Update… bzw Fortsetzung…

Der Antrag bei der Barmer wurde nach 13 Monaten abgelehnt! Mit so bescheuerten Begründungen, dass ich mich so dermaßen fremdgeschämt habe, dass es fast weh tat!

Irgendwo habe ich das Gutachten noch, ich werde es mal einscannen, bei Gelegenheit.

Im Endeffekt war es aber gut, dass die unfähige Barmer nicht nur mit meinem Rollstuhl 14 Monate Theater gemacht hat, 13 Monate mit dem Libre und später auch noch über 6 Monate wegen den e-motion Rädern für den Rolli (das sind elektrisch unterstützte Räder, die ein gewisses Maß an Kraft ersetzen, man sich aber trotzdem noch selbst bewegt, um den Rolli vorwärts zu bekommen).

Wegen diesen Kämpfen – insgesamt über 4 Jahre lang – habe ich mich dann endgültig entschlossen, meine Krankenkasse zu wechseln… Selbst bei der Kündigung gab es dann noch Probleme mit der Barmer – die einfach keine Kündigungsbestätigung rausschickte und dann auf telefonische Nachfrage einfach behauptete, meine Kündigung sei über einen Monat (!!!) unterwegs gewesen!!!

Mein Wechsel ging zur BIG direkt gesund – einer Direktkrankenkasse, die mir von einem sehr guten Arzt empfohlen wurde!

Am 01. März war ich offiziell Mitglied bei der BIG. Am 31. März war ich OmniPod-Trägerin auf Probe, weil die BIG einen besonderen und einzigartigen Direktvertrag mit Ypsomed hat. Am 01. April kam die Zusage für die Versorgung mit dem FreeStyle Libre inkl. aller anfallenden Sensoren UND – wenn nötig – Teststreifen (bei anderen Kassen muss man sich ENTSCHEIDEN zwischen Teststreifen und Sensoren!!!).

Und am 24. Mai durfte ich in Frankfurt meinen Pro Aktiv Traveler Rollstuhl MIT e-motion abholen!!!

Ich kann niemandem beschreiben, was in mir vorgeht, nach so einem langen, entwürdigenden und erniedrigenden Krampf mit der Barmer – jetzt so schnell und so optimal versorgt zu werden!!!

DANKE, BIG!!!