Das Ding mit den Ärzten…

 

Ich hab mittlerweile den dritten Diabetologen. Der erste war sofort gewechselt, als er es beim ALLERERSTEN Termin nicht für nötig hielt, mir Blut abzunehmen, die Antikörper zu checken etc und mir tatsächlich so ins Gesicht sagte, dass ich mit SICHERHEIT kein Typ 1 wäre und mein Hashimoto auch nur erfunden wäre! Das wäre eine Modeerscheinung!!!
Teststreifen? Pustekuchen! Und schon gar nicht die fürs Accu Check Mobile!!!
Nach ein paar wütenden Emails hin und her war klar, hier geh ich nicht mehr hin!
Der zweite war mein Begleiter für rund 2,5 Jahre…
Er hatte mit mir nicht viel zu tun, da ich nach der Erfahrung mit dem ersten keine Lust hatte, von Ärzten abhängig zu sein. Also machte ich strengstens LCHF und brauchte rund 1 Jahr gar kein Insulin.
Ich war brav alle 3 Monate beim Doc, Mitglied im DMP und legte ihm bei jedem Termin die Ausdrucke meines BZ hin.
Beim Labor war er stets sehr genau und eifrig, kontrollierte vor allem auch gerne die Schilddrüsenwerte mit und auch Cholesterin – wegen meiner fettreichen Ernährung. Regelmäßig war er sprachlos, wie gut meine Werte waren!!!
Im Grunde haben wir immer eher einen Schwätztermin gehabt, als einen Arzttermin. Teilweise sprachen wir über ganz andere Sachen als meinen Blutzucker.
Als Arzt meldete sich erst zu Wort, als mein NüchternBZ nicht mehr unter gut war und nicht mehr unter einen bestimmten Wert ging.
Er wollte 2stellig, das war alles.
Also kam Basalinsulin hinzu…
Eine Schulung hatte ich bis dahin übrigens nicht!  :laub
Das mit dem Basal für die Nacht war kein Problem. Die ersten Injektionen allerdings schon. Ich hatte Panik zu unterzuckern. Hatte überhaupt keine Ahnung, wie das Insulin jetzt wohl wirken würde.
Die erste Dosis war so rund 6 IE – wenn ich mich recht erinnere. Vor der ersten Injektion saß ich neben meinem Mann im Bett und überlegte hin und her, was ich jetzt tun würde.
Ich: „Vielleicht spritze ich doch nicht!“
Er: „Dann spritz nicht!“
Ich: „Oder ich spritze die Hälfte!“
Er: „Dann spritz die Hälfte!“
Ich: „Oder nur ein oder zwei Einheiten?“
Er: „Dann spritz nur ein oder zwei Einheiten!“
Ich: „Oder doch gar nicht?“
Er: „Dann spritz gar nicht!“
Es war für ihn bestimmt furchtbar, aber er gab mir genau den Halt, den ich brauchte. Einfach die Sicherheit, egal, was ich auch immer entscheiden würde, er würde hinter mir stehen und die Entscheidung mit tragen!
Ich spritzte an diesem Abend 1 IE Basal und an meinem Nüchternwert hatte sich natürlich gar nichts verändert. Auch der nächtliche Wert gegen 3 Uhr, den ich zur Sicherheit machen sollte, war jenseits von einer Unterzuckerung.
Die Anfangsdosis von rund 6 IE hatte ich also schnell erreicht und mein Nüchtern BZ war auch ganz schnell damit da, wo er hingehört…
Im Frühling 2012 kam bei mir vermehrt der Gedanke, ich könne ggf. den Lupus von meiner Mutter übernommen haben. War ja jetzt nicht nur der Diabetes gefolgt vom Hashi eingezogen…
Ich hatte Schmerzen, war immerzu müde und hatte Probleme mit der Sonne.
Ich ließ mir von Dorothea Maxin – eine tolle Frau – (ein ander mal mehr von ihr) die wichtigsten Werte per Mail schicken, die mir abgenommen werden sollten, um zu schauen, ob mein Verdacht korrekt sei.
Mit der Liste und viel Hoffnung auf sein Verständnis kam ich ihn die Praxis.
Verständnis? Pustekuchen!
Noch nicht mal die Frage, wie ich auf den Verdacht käme! Einzig die Worte „Nur weil Ihre Mutter SLE hat, heißt das noch lange nicht, dass Sie das auch haben! Im Gegenteil, Lupus ist nicht vererbbar!“ Und das in der kleinen Laborkammer… 🙁
Die Werte nahm er nicht. Lediglich die ANAs und ein paar unwichtige Werte wie CRP, BSG… Den Lupus hätte man aber da schon „sehen“ können… Leider wurde von ihm nicht weiter agiert und ich hatte das Vertrauen in ihn als Mensch vollkommen verloren!
Dann wurde ich krank. Der Lupus war ausgebrochen. Krankenhaus – Cortison – Die Einstellung wurde für mich purer Horror. Das kannte ich nicht.
Ich hatte mir vor dem KH Aufenthalt für „Notfall“ mal schnell Insulin verschreiben lassen, damit ich – falls ich mal „sündigen“ möchte – was spritzen kann…
Damit stand ich dann da… Kurze Einweisung. Der Schock von der Beraterin, dass ich noch gar keine Schulung hatte – müssen wir nachholen… HAHAHA… :rofl
Im Krankenhaus war LCHF oder auch LC gar nicht möglich! Es wurde im Speisesaal gespeist und es war nicht mal möglich, eine Waage zu bekommen. Ich saß mit meinem fast 3 Jahre alten Diabetes da wie ein Schulkind. Als hätte ich ihn gerade erst bekommen. Plötzlich musste ich schätzen. Rechnen. Vertrauen in mich bekommen. Ich hatte damals das FreeStyle Insulinx, was mir viel half. Die Rechnerei war für mich ungewohnt. Ich hatte ja zuvor noch nie für mein Essen was berechnen oder spritzen müssen.
Nach dem KH Aufenthalt war alles anders. Von heute auf morgen war ich völlig überfordert. Mein BZ war – im SCHNITT – bei rund 350 bis 450 mg/dl und ließ sich überhaupt nicht mehr regeln.
Klar… totale Insulinresistenz! Dem Cortison sei Dank!
Mein Diabetologe meinte am Telefon, die Werte wären ja noch nicht sooooo schlimm… Ich solle einfach mal überall eine Einheit erhöhen.  :rofl
Eine Freundin und damals meine Krankengymnastin (selbst Typ 1) empfahl mir ihren Arzt damals schon eine Weile. Und als das so schlimm wurde mit den Werten, gab sie mir dann seine Nummer.
Noch am selben Tag (ich glaube, es war ein Mittwoch) rief ich in der Praxis an und schilderte der Dame am Telefon mein Problem. Sie hörte sich ganz ruhig alles an und fragte mich dann:
„Wann können Sie hier sein?“
Ich verstand sie nicht, bzw wie sie das meinte und fragte „Wie? Wann ich da sein kann?“
„Na, wie lange brauchen Sie denn hier her in die Stadt?“
In dem Moment kamen mir die Tränen. Ich konnte zu dem Zeitpunkt kein Auto mehr fahren und war auf den Zug angewiesen. Schnell schaute ich in meinen Fahrplan und sagte ihr die Zeit. „Dann sehen wir uns in 2 Stunden, Frau H.! Und nicht weinen, alles wird gut!!!“
Herr Dr. L. hörte sich meine Geschichte geduldig an und sie lasen mein Messgerät aus! Direkt am Empfang wurd es „eingesammelt“ und vorm Termin bekam man es schon wieder. Dann wurde ich ins Labor gerufen und mein Hba1c wurde direkt dort genommen!!!
Ich bekam ihn auch direkt im Arztgespräch genannt!
Das war eine völlig neue Welt für mich! Keine Abfertigung, kein Schlange stehen im Labor, keinen Monat warten auf Werte!!!
Er war nicht erfreut über die Art, wie man mit meinen Werten und mit mir umgegangen war. Und er wollte mir helfen.
Meine komplette Einstellung wurde auf den Kopf gestellt – mit dem selbem Insulin bis dahin!
Er war sehr einfühlsam. Gab mir bis heute (!!!) nie das Gefühl, an irgendetwas Schuld zu sein oder mehr tun zu müssen!
Er ist maßgeblich an meiner Medikation beteiligt, was meine restlichen Erkrankungen angeht. Er mischt sich nicht ein – gibt mir aber seine Meinung mit auf den Weg und erklärt diese auch! So habe ich eine ganz andere Basis, im Arztgespräch mit meiner Rheumatologin oder meinen Neurologen zu argumentieren.
Ich hatte z.B. ein Antidepressivum zu Beginn bekommen, eigentlich gegen die schlimmen Kopfschmerzen. Aber der einzigen Effekt war eine Zunahme von rund 15 Kilo! Und das, wo ich eh schon viel zu dick war!
ER hatte das sofort entdeckt und dafür gesorgt, dass ich um eine Alternative bat und auch sofort eine nennen konnte!
Er gibt mir Halt und Sicherheit, so wie man es sich von einem Arzt zu wünschen kann!
Er bespricht alles mit mir und würde nie eine Entscheidung einfach so über meinen Kopf hinweg fällen!
Seit meiner schweren Unterzuckerung nachts (22 mg/dl) habe ich einfach Angst vor einer weiteren solchen Erfahrung. Das respektiert er wie kein anderer, ich glaube sogar mehr, als ich selbst!
Wir besprechen alle Änderungen immer gemeinsam und er nimmt sich bis heute wahnsinnig viel Zeit für mich!
Er hat mich damals (im Oktober 2014) zum FreeStyle Libre gebracht und mich bei allen Diskussionen mit der Kasse unterstützt! Leider bei der Barmer erfolglos…
Auch beim Krankenkassenwechsel hat er voll hinter mir gestanden und fast schon freundschaftlich Mut zu gesprochen!
Jetzt, als meine Entscheidung für die Pumpe gefallen war, hatte er innerhalb von nur ein paar Stunden ein Attest fertig und hat es direkt dem Ypsomed Außendienstler mitgegeben. Nur Dank ihm habe ich in 4 (!!!) Tagen schon meine OmniPod!
Er ist ein Traum von einem Arzt! Ein toller Mensch! Und er lässt seine Patienten auf seiner Ebene und stuft sie nicht runter!
Wer einen Diabetologen im Raum Aschaffenburg braucht, darf mich gerne anschreiben! 😉

Ein Gedanke zu „Das Ding mit den Ärzten…“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.