Hyper, Hypo, Hype…

Ein ganz normaler Tag mit Cortisonstoß
Ein ganz normaler Tag mit Cortisonstoß

Von der Hyperglykämie in die Hypoglykämie und trotzdem voll im Hype! 😀

Am Tag messe ich im Moment im Schnitt rund 50 mal! Und nur so kann ich diese Werte auch einigermaßen selbst hinbekommen… Ich weiß nicht, gehen andere dafür ins Krankehaus? Hmmm…

Mein Hba1c wird sicher wieder mind. bei 7,5 % oder mehr liegen, aber das wird auch wieder besser…

Dafür in den letzten 90 Tagen nur 7 Hypos… Irgendwas ist halt immer! 😉

Ist es das wert? Ja, definitiv! Das ist es!

Heute ist der erste Tag mit 40 mg Cortison. Ich fange an, die ersten Gelenke ein wenig mehr zu spüren, aber so wirklich von Schmerzen – wie ich sie sonst habe – kann ich nicht sprechen…

Kind Klein ist krank… Rüsselseuche… Ich hoffe, sie steckt mich nicht an, das könnte ich jetzt gar nicht gebrauchen… oder?

Das Wetter draußen ist himmlisch… Strahlend blauer Himmer. Schön kalt, trocken kalt. So liebe ich es am meisten. Das ist MEIN Wetter… Gerade so eine dünne Jacke und perfekt…

Im Rauschzustand

Mahlzeit!

Seit gestern Nachmittag, ca. 16 Uhr – da verdrückte ich gerade ein paar Freudentränchen – fing das Cortison an zu wirken!

Nicht nur beim Zuckerwert vor allem, was meine Schmerzen angeht. Ich habe meine Hände und Finger wieder bewegen können und auch die restlichen Schmerzen wurden stündlich besser! Der Wahnsinn…

Es ist wirklich wie ein Rausch. Man hat das Gefühl, dass man Bäume ausreißen könnte, nicht nur kleine oder Gras, Bäume!!!
Ich bin fast schon hyperaktiv geworden und habe sogar angefangen, zu spülen (was ja vor Schmerzen gar nicht mehr ging).

Einige Schritte zu Fuß – yeeeeeehaaaaa 😀

Mein Blutzucker schoss dann drei mal etwas in die Höhe, aber absolut noch im Rahmen. Maximum war ich bei ca. 350 mg/dL gelandet. Immer die OmniPod im Anschlag… Das ist GENIAL!

Ich kann nur noch mal sagen: Danke, BIG direkt gesund!!! Ihr seid einfach die beste Krankenkasse!!!

Heute Morgen war ich dann etwas strenger direkt, es folgte eine leichte Unterzuckerung, behoben durch ein Löffelbisquit… Gut, dass meine Kleine momentan das Hobby Tiramisu machen hat, so sind immer von den Dingern irgendwo greifbar! 😀

Jetzt schauen wir mal, wo wir den Zucker noch einholen können…

Mir geht es mega gut. Ich bin natürlich zappelig und muss dauernd auf Toilette, aber es ist traumhaft, so wenig Schmerzen zu haben. Ich fühle mich wie ein Mensch und ich merke, dass ich lebe!

Eben wie im Rauschzustand…

Die Sache mit dem Schmerz

Schmerz kennt keine Grenzen
Schmerz kennt keine Grenzen

5 sehr schlechte Tage hintereinander. Schmerzen. Nachts Albträume. Automatisch springt bei mir in solchen Phasen der Denkapparat an und denkt und denkt und denkt.

Vor allem Zeug, über das ich gar nicht nachdenken MÖCHTE. Es ist teilweise total unwichtig, andere Male sind es wahre Existensängste. Was passiert, wenn…? Horrorszenarien spielen sich vor meinem inneren Auge ab. Komische Kombinationen aus diversen Phasen aus meinem Leben. Monster in Menschenfigur. Beziehungskrisen. Familiendramen… Ich merke, wie mein ganzer Körper mit Anspannung reagiert und ich nervös werde. Nicht vor Angst, sondern weil ich mich wahnsinnig ärgere, nichts tun zu können.

Ich probiere dann, mich selbst abzulenken. Positive Gedanken. Meditation. Progressive Muskelentspannung. Hilft mir immer beim Einschlafen, aber nicht gegen meinen Denkapparat… Der ist ganz schön mächtig, dafür dass er oft nicht richtig funktioniert 😀

Meine Finger sind dick und kaum beweglich. Das Schreiben fällt mir extrem schwer und ich muss immer wieder eine Pause machen. Kühlen. Alle Gelenke sind geschwollen und rot. Finger, Hände, Knie, Füße und Fußzehen. Nur die Ellenbogen weigern sich, mitzumachen. Schwimmen gegen den Strom. Auch die Schultern sind seit Bad Kreuznach einwandfrei. Fast nicht schmerzend. Das ist eine Wohltat. Im Rollstuhl ohne Arme ist total doof… 😉

Die Nacht konnte ich wieder vor Schmerzen nicht mehr weiter schlafen. Meine Schmerztabletten waren nicht da, wo sie sein sollten, weil ich sie eine Nacht vorher schon leer gemacht habe… Im Dunkeln, kaum beweglich, habe ich den nächsten Blister gesucht. Und irgendwann auch gefunden.

Irgendwann war ich wieder eingeschlafen. Morgens wie gerädert. Man fühlt sich wie nach einem schweren Unfall. Sortiert die Gliedmaßen. Ortet die Schmerzen und versucht sie einzuschätzen. Langsam wird probiert, was man alleine bewegen kann, was nicht.

Mein Mann weiß dann immer nicht, wo er helfen soll. Wo er anfassen darf, um mir aufzuhelfen. Eine Qual. Für beide. Einzig der Gedanke, dass es am nächsten Tag sicher wieder besser wird, hilft mir auf. Und das jetzt schon seit 5 Tagen… 🙁

Ich warte auf die Post. Auf wichtige Post. Kommt auch nicht. Meine Lunge pfeift und ich habe Schmerzen in der Brust. Mein Asthma  meldet sich auch zurück? 2 x Spray und dann aber Ruhe!!!

Das kann ich alles gar nicht gebrauchen…

Die Uhr tickt… die Welt bleibt nicht stehen, nur weil es mir gerade nicht gut geht.

Das Ticken zeigt mir unaufhörlich, dass es weitergeht. Mit mir oder ohne mich. Ob ich will oder nicht.

Also ans Tiefkühlfach. Coolpack holen. Hände kühlen und weiter gehts…

Fortsetzung, rund 3 Stunden später…

Nach einem ausführlichen Telefonat mit meinem Hausarzt, entschied er sich für einen Cortisonstoß.

Nun werde ich einige Wochen meinem  Blutzucker hinterherjagen, dafür aber hoffentlich wesentlich weniger Schmerzen haben!

Der Kreislauf meines Alltags 😀

Erste „echte“ Hypo mit OmniPod…

Am 02. Mai kam ein Päckchen von DiaExpert… Ich habe mir ein Päckchen Alkoholtupfer geleistet und Traubenzucker mit Erdbeergeschmack und endlich mal das Gel von Dextro Energy bestellt.

Jetzt warte ich seit dieser Lieferung auf eine Unterzuckerung – wenigstens mal unter 60 mg/dL, damit ich dieses Gel mal probieren kann… NIX…

Natürlich bin ich jetzt nicht so irre und geb einfach zu viel Insulin ab oder würde das Gel jetzt berechnen und dann trinken… das ginge mir zu weit, aber so eine klitzekleine Hypo? Die kommen doch sonst auch alle Nase lang und überraschen einen zu den unmöglichsten Zeiten…

Gestern Nachmittag hatte ich einen Heißhunger, der sich nicht mehr in Worte fassen lässt… ich war kurz davor, Seiten aus einer Kochzeitschrift abzuschlabbern, als mir die angefangene Packung Salzstangen in die Finger fiel…

Nur eine… oder zwei… *knabber* *schmatz* *brösel* 😀

Naja… es war dann doch am Ende eine ganze Hand voll, die ich dann reuemütig nachberechnete… Ich hasse das, ich mache das wirklich ungern und SEHR selten – quasi nur, wenn es mehr oder weniger nicht anders geht…
Aber naja… bissel hin und hergerechnet und Bolus abgegeben… Alles gut soweit…
Bis… 312 mg/dL rund 2 Stunden später *SCHOCK* Das war jetzt die Strafe… erst mal abwarten? Oder noch mal nachschießen? Hmmmm… Ich habe OmniPod gefragt und sie meinte – unter Berücksichtigung des aktiven Insulins – könnte man noch was nachpumpen… Ich reduzierte den Vorschlag noch und schwupp, ab und dafür…

Alles gut. Kurz später war der Wert schon besser mit 301 mg/dL 😀

Aber wirklich, er war dann rund 2 weitere Stunden später bei 246 mg/dL und das war dann eine gute Voraussetzung, um das angebotene Glas Rosé anzunehmen…

Ich trinke nicht viel… die Medikamente mögen das nicht so – sagen die Beipackzettel. In der Lupus-Schulung in Bad Kreuznach wurde uns gesagt, dass wir GAR NICHTS an Alkohol zu uns nehmen dürften. Ich habe mich da auch über 2 Jahre strengstens dran gehalten!
Irgendwann fragte ich meine behandelnde Ärztin in der Uni und sie gab mir absolut grünes Licht, wenn es mir gut geht, auch mal was zu trinken – aber nicht übertreiben! Klaro! 😉

Seit dem bin ich auch Silvester wieder beim Anstoßen dabei etc.

Nun, das zweite Glaserl war auch ok und die Stimmung war super… Kurz später war mein Sensor abgelaufen und ich ärgerte mich, dass ich ihn nicht doch mitgenommen hatte. So hätte ich dort schon wechseln können und nicht dann noch mehr Zeit überbrücken müssen- ich hasse es eh, so spät zu wechseln, weil der nächste ja dann auch wieder so spät fertig ist…

Naja… jetzt war es so… Ein kleines Schlückchen ging noch und dann ab heim… Zuhause wollte ich dann erst mal meinen Wert checken und nutzte PDM und Teststreifen. Hups, 65! Was war denn jetzt los?

Naja… an das Gel habe ich natürlich nicht gedacht und es verschwand erst mal ein Duplo, denn ich habe mich ÜBERHAUPT nicht nach kommender Hypo gefühlt… Als er trotz Duplo auf 59 mg/dL sank, gabs noch nen Cappuccino – es war ja auch erst 22:08 Uhr 😀
und der Wert stieg wieder an, bei 76 mg/dL hatte ich dann schon wieder alle Sorgen über Bord geworfen – alles gut.

Mit 94 mg/dL -steigend- bin ich ins Bett, das war um 23:07 Uhr. Ich war ziemlich müde und bin auch relativ schnell eingeschlafen. Um 23:30 Uhr habe ich noch mal gescannt – 74 mg/dL gleichbleibend, aber an diesen Scan kann ich mich nicht erinnern. Entweder ich hab ihn im Schlaf gemacht – was durchaus vorkommt – oder ich war da schon etwas in der Hypo drin.

Der nächste Scan ist um genau 0:01 Uhr mit 42 mg/dL – und ich habe NICHTS gemerkt!

Jetzt kam der Gedanke ans Gel! 😀 Aber wo war das Gel jetzt? In der Handtasche – wo es hingehört! Und in der Gürteltasche – draußen im Hof! 😀

Nun… dann musste die Pepsi herhalten… Nach rund 20 Minuten war der Wert schon auf über 80 und ich bin wieder eingeschlafen. Im Halbschlaf habe ich dann noch das ein oder andere mal gescannt – DANKE FÜR DIESE MÖGLICHKEIT!!! – nachdem ich um 1:18 Uhr bei 154 mg/dL war und mit einer schönen Gegenregulation und der Nachwirkung für die Pepsi gerechnet hatte, war ich eine halbe Stunde später schon „nur“ noch bei 107!!!

Nun ja… Das war mir mal wieder eine Lehre – Diabetes, Insulin und Alkohol ist nicht unbedingt die beste Kombi… Das nächste Mal wieder vorsichtiger sein – zumal mein GöGa NICHTS mitbekommen hat! 😀

so long… ich wünsche Euch einen schönen Tag! 😉

Das Ding mit den Ärzten…

 

Ich hab mittlerweile den dritten Diabetologen. Der erste war sofort gewechselt, als er es beim ALLERERSTEN Termin nicht für nötig hielt, mir Blut abzunehmen, die Antikörper zu checken etc und mir tatsächlich so ins Gesicht sagte, dass ich mit SICHERHEIT kein Typ 1 wäre und mein Hashimoto auch nur erfunden wäre! Das wäre eine Modeerscheinung!!!
Teststreifen? Pustekuchen! Und schon gar nicht die fürs Accu Check Mobile!!!
Nach ein paar wütenden Emails hin und her war klar, hier geh ich nicht mehr hin!
Der zweite war mein Begleiter für rund 2,5 Jahre…
Er hatte mit mir nicht viel zu tun, da ich nach der Erfahrung mit dem ersten keine Lust hatte, von Ärzten abhängig zu sein. Also machte ich strengstens LCHF und brauchte rund 1 Jahr gar kein Insulin.
Ich war brav alle 3 Monate beim Doc, Mitglied im DMP und legte ihm bei jedem Termin die Ausdrucke meines BZ hin.
Beim Labor war er stets sehr genau und eifrig, kontrollierte vor allem auch gerne die Schilddrüsenwerte mit und auch Cholesterin – wegen meiner fettreichen Ernährung. Regelmäßig war er sprachlos, wie gut meine Werte waren!!!
Im Grunde haben wir immer eher einen Schwätztermin gehabt, als einen Arzttermin. Teilweise sprachen wir über ganz andere Sachen als meinen Blutzucker.
Als Arzt meldete sich erst zu Wort, als mein NüchternBZ nicht mehr unter gut war und nicht mehr unter einen bestimmten Wert ging.
Er wollte 2stellig, das war alles.
Also kam Basalinsulin hinzu…
Eine Schulung hatte ich bis dahin übrigens nicht!  :laub
Das mit dem Basal für die Nacht war kein Problem. Die ersten Injektionen allerdings schon. Ich hatte Panik zu unterzuckern. Hatte überhaupt keine Ahnung, wie das Insulin jetzt wohl wirken würde.
Die erste Dosis war so rund 6 IE – wenn ich mich recht erinnere. Vor der ersten Injektion saß ich neben meinem Mann im Bett und überlegte hin und her, was ich jetzt tun würde.
Ich: „Vielleicht spritze ich doch nicht!“
Er: „Dann spritz nicht!“
Ich: „Oder ich spritze die Hälfte!“
Er: „Dann spritz die Hälfte!“
Ich: „Oder nur ein oder zwei Einheiten?“
Er: „Dann spritz nur ein oder zwei Einheiten!“
Ich: „Oder doch gar nicht?“
Er: „Dann spritz gar nicht!“
Es war für ihn bestimmt furchtbar, aber er gab mir genau den Halt, den ich brauchte. Einfach die Sicherheit, egal, was ich auch immer entscheiden würde, er würde hinter mir stehen und die Entscheidung mit tragen!
Ich spritzte an diesem Abend 1 IE Basal und an meinem Nüchternwert hatte sich natürlich gar nichts verändert. Auch der nächtliche Wert gegen 3 Uhr, den ich zur Sicherheit machen sollte, war jenseits von einer Unterzuckerung.
Die Anfangsdosis von rund 6 IE hatte ich also schnell erreicht und mein Nüchtern BZ war auch ganz schnell damit da, wo er hingehört…
Im Frühling 2012 kam bei mir vermehrt der Gedanke, ich könne ggf. den Lupus von meiner Mutter übernommen haben. War ja jetzt nicht nur der Diabetes gefolgt vom Hashi eingezogen…
Ich hatte Schmerzen, war immerzu müde und hatte Probleme mit der Sonne.
Ich ließ mir von Dorothea Maxin – eine tolle Frau – (ein ander mal mehr von ihr) die wichtigsten Werte per Mail schicken, die mir abgenommen werden sollten, um zu schauen, ob mein Verdacht korrekt sei.
Mit der Liste und viel Hoffnung auf sein Verständnis kam ich ihn die Praxis.
Verständnis? Pustekuchen!
Noch nicht mal die Frage, wie ich auf den Verdacht käme! Einzig die Worte „Nur weil Ihre Mutter SLE hat, heißt das noch lange nicht, dass Sie das auch haben! Im Gegenteil, Lupus ist nicht vererbbar!“ Und das in der kleinen Laborkammer… 🙁
Die Werte nahm er nicht. Lediglich die ANAs und ein paar unwichtige Werte wie CRP, BSG… Den Lupus hätte man aber da schon „sehen“ können… Leider wurde von ihm nicht weiter agiert und ich hatte das Vertrauen in ihn als Mensch vollkommen verloren!
Dann wurde ich krank. Der Lupus war ausgebrochen. Krankenhaus – Cortison – Die Einstellung wurde für mich purer Horror. Das kannte ich nicht.
Ich hatte mir vor dem KH Aufenthalt für „Notfall“ mal schnell Insulin verschreiben lassen, damit ich – falls ich mal „sündigen“ möchte – was spritzen kann…
Damit stand ich dann da… Kurze Einweisung. Der Schock von der Beraterin, dass ich noch gar keine Schulung hatte – müssen wir nachholen… HAHAHA… :rofl
Im Krankenhaus war LCHF oder auch LC gar nicht möglich! Es wurde im Speisesaal gespeist und es war nicht mal möglich, eine Waage zu bekommen. Ich saß mit meinem fast 3 Jahre alten Diabetes da wie ein Schulkind. Als hätte ich ihn gerade erst bekommen. Plötzlich musste ich schätzen. Rechnen. Vertrauen in mich bekommen. Ich hatte damals das FreeStyle Insulinx, was mir viel half. Die Rechnerei war für mich ungewohnt. Ich hatte ja zuvor noch nie für mein Essen was berechnen oder spritzen müssen.
Nach dem KH Aufenthalt war alles anders. Von heute auf morgen war ich völlig überfordert. Mein BZ war – im SCHNITT – bei rund 350 bis 450 mg/dl und ließ sich überhaupt nicht mehr regeln.
Klar… totale Insulinresistenz! Dem Cortison sei Dank!
Mein Diabetologe meinte am Telefon, die Werte wären ja noch nicht sooooo schlimm… Ich solle einfach mal überall eine Einheit erhöhen.  :rofl
Eine Freundin und damals meine Krankengymnastin (selbst Typ 1) empfahl mir ihren Arzt damals schon eine Weile. Und als das so schlimm wurde mit den Werten, gab sie mir dann seine Nummer.
Noch am selben Tag (ich glaube, es war ein Mittwoch) rief ich in der Praxis an und schilderte der Dame am Telefon mein Problem. Sie hörte sich ganz ruhig alles an und fragte mich dann:
„Wann können Sie hier sein?“
Ich verstand sie nicht, bzw wie sie das meinte und fragte „Wie? Wann ich da sein kann?“
„Na, wie lange brauchen Sie denn hier her in die Stadt?“
In dem Moment kamen mir die Tränen. Ich konnte zu dem Zeitpunkt kein Auto mehr fahren und war auf den Zug angewiesen. Schnell schaute ich in meinen Fahrplan und sagte ihr die Zeit. „Dann sehen wir uns in 2 Stunden, Frau H.! Und nicht weinen, alles wird gut!!!“
Herr Dr. L. hörte sich meine Geschichte geduldig an und sie lasen mein Messgerät aus! Direkt am Empfang wurd es „eingesammelt“ und vorm Termin bekam man es schon wieder. Dann wurde ich ins Labor gerufen und mein Hba1c wurde direkt dort genommen!!!
Ich bekam ihn auch direkt im Arztgespräch genannt!
Das war eine völlig neue Welt für mich! Keine Abfertigung, kein Schlange stehen im Labor, keinen Monat warten auf Werte!!!
Er war nicht erfreut über die Art, wie man mit meinen Werten und mit mir umgegangen war. Und er wollte mir helfen.
Meine komplette Einstellung wurde auf den Kopf gestellt – mit dem selbem Insulin bis dahin!
Er war sehr einfühlsam. Gab mir bis heute (!!!) nie das Gefühl, an irgendetwas Schuld zu sein oder mehr tun zu müssen!
Er ist maßgeblich an meiner Medikation beteiligt, was meine restlichen Erkrankungen angeht. Er mischt sich nicht ein – gibt mir aber seine Meinung mit auf den Weg und erklärt diese auch! So habe ich eine ganz andere Basis, im Arztgespräch mit meiner Rheumatologin oder meinen Neurologen zu argumentieren.
Ich hatte z.B. ein Antidepressivum zu Beginn bekommen, eigentlich gegen die schlimmen Kopfschmerzen. Aber der einzigen Effekt war eine Zunahme von rund 15 Kilo! Und das, wo ich eh schon viel zu dick war!
ER hatte das sofort entdeckt und dafür gesorgt, dass ich um eine Alternative bat und auch sofort eine nennen konnte!
Er gibt mir Halt und Sicherheit, so wie man es sich von einem Arzt zu wünschen kann!
Er bespricht alles mit mir und würde nie eine Entscheidung einfach so über meinen Kopf hinweg fällen!
Seit meiner schweren Unterzuckerung nachts (22 mg/dl) habe ich einfach Angst vor einer weiteren solchen Erfahrung. Das respektiert er wie kein anderer, ich glaube sogar mehr, als ich selbst!
Wir besprechen alle Änderungen immer gemeinsam und er nimmt sich bis heute wahnsinnig viel Zeit für mich!
Er hat mich damals (im Oktober 2014) zum FreeStyle Libre gebracht und mich bei allen Diskussionen mit der Kasse unterstützt! Leider bei der Barmer erfolglos…
Auch beim Krankenkassenwechsel hat er voll hinter mir gestanden und fast schon freundschaftlich Mut zu gesprochen!
Jetzt, als meine Entscheidung für die Pumpe gefallen war, hatte er innerhalb von nur ein paar Stunden ein Attest fertig und hat es direkt dem Ypsomed Außendienstler mitgegeben. Nur Dank ihm habe ich in 4 (!!!) Tagen schon meine OmniPod!
Er ist ein Traum von einem Arzt! Ein toller Mensch! Und er lässt seine Patienten auf seiner Ebene und stuft sie nicht runter!
Wer einen Diabetologen im Raum Aschaffenburg braucht, darf mich gerne anschreiben! 😉

Aus Spaß wurde Ernst… (2)

Da ich „Hashimoto Thyreoiditis“ weder lesen noch aussprechen konnte – geschweigedenn wusste, was das ist, kopierte ich die beiden Wörter und gab sie bei Google ein.

Der erste angezeigte Link war der einer Selbsthilfegruppe. Ein Flyer öffnete sich, als ich den Link anklickte. Noch mit den Gedanken auf der Suche, wo sich diese Schilddrüse eigentlich überhaupt befindet, las ich die ersten Sätze auf dem mit bunten Schmetterlingen verzierten Flyer.

Dort stand:

Wie verläuft das Leben mit Hashimoto?
Für viele Betroffene nicht sehr schön.

Für mich brach eine Welt zusammen. Nicht heilbar. Jede Menge Symptome!

Ich druckte den Flyer aus und legte ihn kommentarlos meinem Mann hin, der daraufhin auch in Tränen ausbrach…
Heute wissen wir etwas ganz sicher:

  • der Flyer gehört überarbeitet
  • die Schilddrüse und der Hashimoto sind mein kleinstes Problem – im wahrsten Sinne des Wortes

Es folgten unzählige Arztbesuche und ein ganz schneller Wechsel des ersten Diabetologen, der ja nicht einmal Blut abnehmen wollte!
Der nächste war für eine lange Zeit mein „Betreuer“ in Sachen Diabetes und Hashimoto.
Dass ich Typ 1 bin, war nach der ersten Blutuntersuchung klar… Insulin? Ich? Nein!!!
Diät war angesagt… ich googelte und suchte und recherchierte… Meine Lösung war:

LCHF = LowCarb-HighFat (wenig Kohlenhydrate – viel Fett)

Bis Ende 2012 war das MEINE Rettung. Ich habe meine Werte sehr gut im Griff gehabt, habe meinen Hba1c auf rund 5,9 % halten können – anfänglich sogar komplett ohne Insulin!

Irgendwann kam Basal hinzu, wenigstens für die Nacht… Die Nüchternwerte waren ab da wieder pickobello und immer nur 2stellig. Die Ärzte verzweifelten an mir, weil ich so top Blutwerte hatte und das TROTZ dem vielen Fett…

Kaum einer wollte verstehen, dass es gerade daran lag!

Die Schilddrüse ließ sich gut einstellen und bald hatte ich einiges an Gewicht verloren und gewann wieder Oberhand über mein Leben. Die Befindlichkeitsstörungen – wie ich sie immer nenne – Muskelzwicken hier, Müdigkeit da… ich schob alles auf die Schilddrüse – oder das, was von ihr übrig war oder auf den Diabetes…

Bis im August 2012 plötzlich nichts mehr war wie vorher…

Aus Spaß wurde Ernst… (1)

Nachdem ich 2000 und 2003 jeweils einen Gestationsdiabetes (= Schwangerschaftsdiabetes) hatte, sagte mir ein Arzt 2003 kurz nach der Geburt meiner zweiten Tochter, dass ich wohl irgendwann mal Diabetes bekommen würde.

Leider sollte er damit Recht behalten. An einem Sonntagmorgen waren wir zum Frühstück bei meinen Eltern eingeladen und während meine Mutter (selbst Typ 1) ihren Insulincocktail vorbereitete, meinte ich einfach aus Spaß, sie solle mir doch auch mal den Zucker messen…

Ich kann heute nicht mehr sagen, wie hoch er war, aber jenseits von einem normalen Nüchternblutzucker, den ein gesunder Mensch – also in diesem Fall ein Mensch ohne Diabetes haben sollte (normaler Nüchternwert liegt so unter 80 mg/dl).

Meiner Mutter klingelten allle Alarmglocken und sie löcherte mich mit etlichen Fragen:

  • Hast Du schon gefrühstückt?
  • Hast Du viel Durst?
  • Trinkst Du mehr als sonst?
  • Wieviel trinkst Du denn am Tag so?
  • Musst Du häufig auf Toilette?
  • Auch nachts?
  • Hast Du Probleme mit dem Sehen?

Meine Antworten:

  • Nein. Ich bin nüchtern. Nicht mal Kaffee.
  • Ja, schon.
  • Ja, aber das ist ja gesund.
  • So ca. 5 bis 6 Liter. Und nachts noch mal ca. 2 Liter.
  • Ja. Nervt total.
  • Ja, wie ne olle Oma!
  • Oft. So unklar. Aber nicht immer.

Nun. Für meine Mutter stand die Diagnose natürlich fest. Für mich sah das allerdings anders aus. Ihr Gerät wäre sicher kaputt. Ich würde mal ein paar Werte machen bis zum nächsten Tag. Und dann zum Hausarzt.

Das Gerät hatte ich noch aus der Schwangerschaft. Die Teststreifen auch. Sie waren ja auch erst rund 7 Jahre alt! 😀

Die Werte waren katastrophal. Ich glaube, unter 280 mg/dl ging kein Wert an diesem Sonntag. Ich glaube, mein Puls war annähernd auch so hoch… Ich war stinksauer.

  • Auf das Frühstück.
  • Auf die Medizin.
  • Auf den „Erfinder“ von Diabetes.
  • Über meine Blindheit (mind. der Durst hätte mir doch auffallen müssen).
  • Auf meine Ärzte. Bereits Jahre vorher hatte ich doch gesagt, dass irgendwas nicht stimmt. Auch weil ich so komisch zugenommen hatte…
    „Alle Dicken wünschen sich eine Krankheit, die Schuld ist!“ war die Antwort gewesen, also ging ich erst einmal nicht mehr hin!
  • Auf das Blutzuckergerät, was sicher kaputt war und mit den alten Teststreifen könne man sich eh nicht auf die Werte verlassen!

Am nächsten Morgen stand direkt der Arztbesuch an. Nachdem ich der Arzthelferin meine Werte vorgelesen hatte, hatte ich auch sofort einen Termin.

Mir wurde Blut abgenommen und ich bekam ein neues Gerät mit neuen Streifen. Damit solle ich erst mal ein „echtes“ Profil machen, d.h. vor dem Essen messen und 1 und 2 Stunden danach. Und dann würden wir weiter sehen…

Zwei Tage später sollte ich zur Besprechung der Werte kommen. Diagnose: Diabetes. Wahrscheinlich Typ 2, aufgrund meines Gewichts!!!

Ich sollte mir einen Termin beim Diabetologen ausmachen, denn mit DIESEN Werten könne sie sicher nicht umgehen!
Na gut. Gesagt getan, den Termin bekam ich allerdings aufgrund der Aussage, dass es sich wohl um Typ 2 handeln würde erst einige Wochen später.
In der Zwischenzeit wollte ich die Diagnose aber gesichert haben und ging zu einem weiteren Arzt.
Der fragte mich jede Menge und nahm noch mal Blut ab. Ob er mich per Email erreichen könne – Klar!

Wieder zwei Tage später kam eine Email von diesem Arzt mit dem Inhalt (aus dem Gedächtnis):

„Sie haben Diabetes, anscheinend Typ 1 und Hashimoto Thyreoiditis. Sie müssen ab sofort jeden Tag und für den Rest Ihres Lebens Tabletten nehmen. Das Rezept ist schon auf dem Postweg.

Vereinbaren Sie einen Termin beim Diabetologen.

Gruß

Dr. XXX“

SCHOCK! SCHOCK! SCHOCK!