Aus Spaß wurde Ernst… (7)

Pünktlich zum Geburtstag meiner Tochter wurde ich aus der AHB entlassen. Arbeitsunfähig.

Meine Hausaufgaben:

  • Termin in der Rheumatologischen Ambulanz
  • Termin in der Gedächtnissprechstunde
  • Termin beim Hausarzt
  • Termin beim Augenarzt
  • Termin beim Endokrinologen
  • Termin beim Nuklearmediziner
  • Termin beim Diabetologen

Nicht viel später kam der Frust… Ich war zwar heilfroh, meine Familie und meinen Hund wieder zu haben, aber was hatte ich davon? Mir ging es fast täglich schlechter. Ich war zu überhaupt nichts mehr fähig… Mit gerade 35 Jahren war ich ein Wrack… physisch und psychisch…

Ich nahm jede Menge Medikamente, die mir nicht halfen (oder noch nicht), ich war abhängig von Hinz und Kunz, wenn ich von A nach B musste und ich kapselte mich immer mehr ab. Ich wollte keinen sehen und ich wollte nicht, dass mich einer so sieht…

Nur wenige Freunde haben es in dieser Zeit bis zu mir geschafft. Ein Teil hat sich von sich aus „verabschiedet“, den Rest habe ich verabschiedet. Man lässt einfach immer mehr Ballast weg, es tut einem nicht gut und ich habe das in der Zeit zehnfach mehr gemerkt als vorher…

Ich hatte Gedächtnisprobleme. Nicht nur so Kleinigkeiten, dass man MAL etwas vergisst. Nein, mir fehlten komplette Stücke. Und es passierte immer wieder. Ich hatte das Gefühl, mein Gehirn wäre nicht mehr steuerbar, als hätte ich auf meinen eigenen Körper keinen Einfluss mehr. Ganz abgesehen davon, dass dieser Kopfschmerz einfach nicht aufhören wollte. Ich war am Ende meiner Kräfte. Es war kein Ziel in Sicht, auf das ich hätte warten / hoffen können. Da war nur Schmerz. Schmerz. Schmerz.

Ich wusste nicht, wie ich meine Kinder weiter großziehen sollte, waren sie doch viel mehr für mich als ich für sie da.

Es war ungefähr auch zu dieser Zeit, als die Barmer anrief und ich muss heute noch sagen, es war ein sehr mysteriöses Gespräch. Ich war fast schon auf der Hut, so komisch kam mir das Ganze vor.
Ein netter junger Herr rief an, mit der Frage, wie es mir denn ginge und ob man noch etwas für mich tun könne!!!
Ich war wie gelähmt. Es war natürlich auch keiner Zuhause – ich musste also auch selbst mit ihm sprechen.
Ich erzählte ihm ein wenig und er tat SEHR betroffen und bedauerte meine Situation.
Richtung Ende des Gesprächs platzte es dann aus ihm heraus (Gedächtniszitat): „Mit Ihrer Erkrankung sieht die Prognose ja nicht so gut aus. Viele schaffen es da nicht mehr so leicht raus. Haben Sie denn mal über einen Rentenantrag nachgedacht?“

Schock

Sprachlosigkeit

Schnappatmung

Meine Antwort: „Ich bin gerade 35 geworden!“

… to be continued…

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