Aus Spaß wurde Ernst… (1)

Nachdem ich 2000 und 2003 jeweils einen Gestationsdiabetes (= Schwangerschaftsdiabetes) hatte, sagte mir ein Arzt 2003 kurz nach der Geburt meiner zweiten Tochter, dass ich wohl irgendwann mal Diabetes bekommen würde.

Leider sollte er damit Recht behalten. An einem Sonntagmorgen waren wir zum Frühstück bei meinen Eltern eingeladen und während meine Mutter (selbst Typ 1) ihren Insulincocktail vorbereitete, meinte ich einfach aus Spaß, sie solle mir doch auch mal den Zucker messen…

Ich kann heute nicht mehr sagen, wie hoch er war, aber jenseits von einem normalen Nüchternblutzucker, den ein gesunder Mensch – also in diesem Fall ein Mensch ohne Diabetes haben sollte (normaler Nüchternwert liegt so unter 80 mg/dl).

Meiner Mutter klingelten allle Alarmglocken und sie löcherte mich mit etlichen Fragen:

  • Hast Du schon gefrühstückt?
  • Hast Du viel Durst?
  • Trinkst Du mehr als sonst?
  • Wieviel trinkst Du denn am Tag so?
  • Musst Du häufig auf Toilette?
  • Auch nachts?
  • Hast Du Probleme mit dem Sehen?

Meine Antworten:

  • Nein. Ich bin nüchtern. Nicht mal Kaffee.
  • Ja, schon.
  • Ja, aber das ist ja gesund.
  • So ca. 5 bis 6 Liter. Und nachts noch mal ca. 2 Liter.
  • Ja. Nervt total.
  • Ja, wie ne olle Oma!
  • Oft. So unklar. Aber nicht immer.

Nun. Für meine Mutter stand die Diagnose natürlich fest. Für mich sah das allerdings anders aus. Ihr Gerät wäre sicher kaputt. Ich würde mal ein paar Werte machen bis zum nächsten Tag. Und dann zum Hausarzt.

Das Gerät hatte ich noch aus der Schwangerschaft. Die Teststreifen auch. Sie waren ja auch erst rund 7 Jahre alt! 😀

Die Werte waren katastrophal. Ich glaube, unter 280 mg/dl ging kein Wert an diesem Sonntag. Ich glaube, mein Puls war annähernd auch so hoch… Ich war stinksauer.

  • Auf das Frühstück.
  • Auf die Medizin.
  • Auf den „Erfinder“ von Diabetes.
  • Über meine Blindheit (mind. der Durst hätte mir doch auffallen müssen).
  • Auf meine Ärzte. Bereits Jahre vorher hatte ich doch gesagt, dass irgendwas nicht stimmt. Auch weil ich so komisch zugenommen hatte…
    „Alle Dicken wünschen sich eine Krankheit, die Schuld ist!“ war die Antwort gewesen, also ging ich erst einmal nicht mehr hin!
  • Auf das Blutzuckergerät, was sicher kaputt war und mit den alten Teststreifen könne man sich eh nicht auf die Werte verlassen!

Am nächsten Morgen stand direkt der Arztbesuch an. Nachdem ich der Arzthelferin meine Werte vorgelesen hatte, hatte ich auch sofort einen Termin.

Mir wurde Blut abgenommen und ich bekam ein neues Gerät mit neuen Streifen. Damit solle ich erst mal ein „echtes“ Profil machen, d.h. vor dem Essen messen und 1 und 2 Stunden danach. Und dann würden wir weiter sehen…

Zwei Tage später sollte ich zur Besprechung der Werte kommen. Diagnose: Diabetes. Wahrscheinlich Typ 2, aufgrund meines Gewichts!!!

Ich sollte mir einen Termin beim Diabetologen ausmachen, denn mit DIESEN Werten könne sie sicher nicht umgehen!
Na gut. Gesagt getan, den Termin bekam ich allerdings aufgrund der Aussage, dass es sich wohl um Typ 2 handeln würde erst einige Wochen später.
In der Zwischenzeit wollte ich die Diagnose aber gesichert haben und ging zu einem weiteren Arzt.
Der fragte mich jede Menge und nahm noch mal Blut ab. Ob er mich per Email erreichen könne – Klar!

Wieder zwei Tage später kam eine Email von diesem Arzt mit dem Inhalt (aus dem Gedächtnis):

„Sie haben Diabetes, anscheinend Typ 1 und Hashimoto Thyreoiditis. Sie müssen ab sofort jeden Tag und für den Rest Ihres Lebens Tabletten nehmen. Das Rezept ist schon auf dem Postweg.

Vereinbaren Sie einen Termin beim Diabetologen.

Gruß

Dr. XXX“

SCHOCK! SCHOCK! SCHOCK!

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